mueckeh schreibt "Die Ideen zur „Neuen Arbeit“, zum bedingungslosen Grundeinkommen, zum „Leinekies“ (oder anderen Regiogeld-Formen) - das alles erfordert ein radikales Umdenken.
Sind Sie zu diesem Umdenken bereit?
Ich gebe Ihnen einen ganz einfachen Test, der Ihnen die Antwort auf die Selbstbefragung ermöglicht:
(a) Empfinden Sie einem sog. Arbeitslosen gegenüber ein Gefühl der Dankbarkeit?
(b) Das „bedingungslose“ Grundeinkommen ist jedem Erwachsenen ohne jede Bedingung nach Vorlage des Personalausweises auszuzahlen.
(c) Das obere Promille dieser Gesellschaft verdient fast so viel wie die mittleren zwanzig Prozent (Michael Hartmann in einer Talkshow).
(d) Die Geldscheine des „Leinekies“ haben eine begrenzte Gültigkeit; sind sie abgelaufen, können sie nicht mehr ausgegeben werden. *)
Ganz ehrlich: Wie haben Sie reagiert?
*) Für den Fall, dass Sie sich gefragt haben, was das soll, möchte ich hier ein paar Erläuterungen anfügen (aber, bitte erst lesen, nachdem Sie den Test gemacht und Ihre ehrlichen Reaktionen notiert haben!)
Zu a) Das ist wahrscheinlich die verblüffendste Frage. Gelten Arbeitslose doch heute gemeinhin als Faulenzer, die man zur Arbeit notfalls zwingen muss (obwohl es gar nicht genügend menschenwürdige Arbeitsplätze gibt). Bedenken Sie aber bitte, dass seit vielen Jahren (mindestens zehn) die Arbeitgeberseite mit den verschiedensten Methoden versucht, die Zahl der Arbeitskräfte zu vermindern. Auch Götz Werner, der als Unternehmer sich für das bedingungslose Grundeinkommen einsetzt, macht darauf aufmerksam, dass Arbeitgeber grundsätzlich NICHT die Aufgabe haben, mehr Arbeitsplätze zu schaffen. Mit anderen Worten: Jeder Erwerbslose trägt dazu bei, dass die Wirtschaft (die man heute als neoliberal und global kennzeichnet) funktioniert.
Es sind also gegenwärtig die vielen Menschen, die bereit waren, vorzeitig in Rente zu gehen, klaglos eine betriebsbedingte Kündigung hinzunehmen, oder sich zu einem Minijob oder Niedriglohn oder zur Langzeitarbeitslosigkeit zwingen ließen, die unsere Wirtschaft am Laufen halten! Man sollte ihnen deshalb dankbar sein! Auch deshalb könnte man ihnen dankbar sein: Viele arbeiten ja trotzdem und machen Arbeiten, die andere nicht machen: im ehrenamtlichen Bereich, indem sie Kinder großziehen, durch freiberufliche oder selbständige Aktivitäten, durch Hilfe im Haushalt usw.
Solchen Menschen also dankbar zu sein - das würde zum radikalen Umdenken der erste Schritt sein!
(b) Übliche Reaktion: Faulenzern noch etwas dazuzahlen? Menschen extra Geld geben, damit sie es in Alkohol umsetzen? (Habe ich wirklich erlebt.) Im Ansatz falsch: Das bedingungslose (!!) Grundeinkommen würde bei vielen Menschen kreative Möglichkeiten in Gang setzen, mit der Arbeit zu beginnen, die wirklich ihrem Wesen entspricht.
(Den Bodensatz von Nutznießern hat man so oder so - die Zahl zu mindern erfordert z.B. bessere Bildungsmaßnahmen.)
(c) Reaktion könnte sein, Schultern zuckend. Ja, das sind eben die Leistungsträger. Gegenfrage: und eine schlecht bezahlte Krankenschwester ist keine Leistungsträgerin? Ein vereinfachtes Steuersystem, das keine Schlupflöcher gerade für die Reichen lässt, wäre eine gute Lösung - z.B. nur oder hauptsächlich auf der Basis von Konsumsteuern.
Und im übrigen, steht sogar in unserem Grundgesetz: EIGENTUM VERPFLICHTET! (§ 14, Absatz 2)
(d) Spontane Reaktion könnte sein: Was, ein Geld, das bald nichts mehr wert ist, was soll das? Da kann ich ja gar nichts sparen ... Aber es geht nicht darum, Menschen am Sparen zu hindern, sondern darum, dass „Leinekies“ - ein Geld mit Leistungsdeckung! - in einen regionalen Austausch eingebracht und damit die regionale Wirtschaft als Gegengewicht zur globalen gestärkt wird. Medizin für die Region!
© Dr. Helge Mücke, Hannover"